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Ausstellungen
Roland Boden  ++  2015 Ortsumgehung

Mittels einer speziellen Ködervorrichtung und einer Fotofalle soll untersucht werden, ob der in seiner russischen Heimat als ausgerottet geltende Westsibirische Zweizehen-Kragenmolch (Triturus Duodigitus Sibirica) im Gebiet um Baruth überlebt haben könnte, worauf einige rezente Trittspuren hindeuten.

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Besagter Molch wurde ob der herausragenden kulinarischen Qualität insbesondere der Nackenpartie in seiner ursprünglichen Heimat im Einzugsbereich der Flüsse Irtysch und Ob schon seit langem trotz etlicher Schutzversuche so stark bejagt, daß er offiziell seit dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 als vollständig ausgerottet gilt (siehe Hauptreferat Chruschtschow). Etliche Zuchtversuche scheiterten sämtlich. Das Tier, in der gehobenen Küche auch als Sibirische Languste gerühmt, wurde vor allem in der legendären Molch-Soljanka verwendet, die sich schon am Hofe des letzten Zaren Nikolaus II. großer Beliebtheit erfeute.
Bezüglich der Frage, wie dieser seltene Lurch sich nun möglicherweise in der brandenburgischen Region des Fläming ansiedeln konnte, soll die nähere Geschichte zu Rate gezogen werden.
Anfang 1945 zum Ende des Zweiten Weltkriegs stießen die Truppen der 1. Ukrainischen Front unter Marschall Konjew aus südlicher Richtung auf Berlin vor. Unter anderem in der Gegend von Baruth kam es dabei zu schweren und verlustreichen Gefechten, wohl mit Einheiten der aus dem Kessel von Halbe westwärts ausbrechenden deutschen 9. Armee. An dieser Stelle muß nun kurz auf die Person des Gardesergeanten Wjatscheslaw Nikolajewitsch Durakow eingegangen werden, der in der 5. Gardearmee als Koch Verwendung fand. Der aus der Gegend von Nowosibirsk stammende Durakow führte, wie aus den Unterlagen des zuständigen Politkommissariats hervorging, eine größere Zahl adulter Kragenmolche in mehreren dazu zweckentfremdeten Sanitätslastwagen mit sich, die er bei Gelagen als Delikatesse für Generäle, höhere Chargen und Parteifunktionäre zuzubereiten hatte. Für diese allseits geschätzte Tätigkeit hatte er bereits den Rotbannerorden Zweiter Klasse erhalten. Angeblich waren sowohl Konjew als auch der spätere Generalsekretär Chruschtschow gelegentlich als Gast solcher Bankette zugegen gewesen, was auch den Sonderstatus Durakows erklären würde. Anfang März 1945 wurde die sich in der Nähe der Kirche von Baruth befindende LKW-Kolonne Durakows, die wohl aus etlichen Dreitonnern und einer Feldküche bestand, durch mehrere Granaten-Volltreffer zerstört, Durakow und seine Hilfsköche fanden dabei sämtlich den Tod. Wahrscheinlich wurden die Treffer durch eigene sowjetische Artillerie, sogenannte Stalin-Orgeln, erzielt, die aufsehenerregende folgende Exekution zweier Hauptleute und eines Unteroffiziers wegen Beschießung eigener Truppen im Vollrausch deutet darauf hin.
Es steht nun zu vermuten, daß etliche Kragen-Molche überlebten, aus den zerstörten Käfigen entschlüpfen konnten und sich möglicherweise in der Gegend, die ein etwas milderes Klima als ihre ursprüngliche Heimat aufweist, als sogenannte Neozoen ansiedeln konnten.

Sollte sich diese Vermutung bestätigen, so müßten im Sinne des Artenschutzes, um das überaus seltene Tier nicht zu beunruhigen, sicher umfängliche Aussiedlungen der Bevölkerung vorgenommen werden. Außerdem wäre dann wahrscheinlich die Sperrung der Autobahn Berlin-Dresden von April bis September unumgänglich, weil diese zweifellos den natürlichen Zugang zum Feuchtgebiet des Spreewaldes verwehrt. Dies würde dann gewissermaßen zwangsläufig zu einer weitläufigeren Ortsumgehung führen.

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Foto: Roland Boden

Die Suche nach dem Molch:

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Fotos: Bewegungskamera Roland Boden